Arbeitslos im Knast

Verhältnisse verschlechtern sich zunehmend

von Wolfgang M. und Wolfgang Sieffert OP

Die allgemeine Wirtschaftslage spiegelt sich in den Arbeitsmöglichkeiten auf der „Ulm“ wider. Es mangelt an Aufträgen externer Betriebe und somit an Arbeit für die Gefangenen. Nach dem Strafvollzugsgesetz sind Strafgefangene zur Arbeit verpflichtet, U-Häftlinge benötigen hierfür eine richterliche Erlaubnis.

Statistik des letzten Jahres
Für 2004 weist die Statistik der JVA Düsseldorf folgenden durchschnittlichen Beschäftigungsstand aus:

  • beschäftigte Gefangene: 32,35 %
  • ohne Beschäftigung mangels Arbeit: 34,46 %
  • ohne Beschäftigung aus anderen Gründen (Termine, Krankheit, Urlaub, Ausgang, fehlende Genehmigung): 33,19 %

So erklärt sich, dass – entgegen einer kürzlichen Pressemeldung, die eine Arbeitslosenquote von 26 Prozent propagiert – in unserer JVA bereits fast 35% der Inhaftierten mangels Arbeitsangebot ohne Beschäftigung sind. Der momentane Eindruck ist eher noch schlimmer. Selbst unter denen, die hier für längere Zeit in Strafhaft sitzen, sind erschreckend viele, die Monate lang ohne Arbeit bleiben.

Stichtag 31.10.2005
Inhaftierte auf der Ulm: 582
Davon in Arbeit: 163
Ohne Arbeit: 419
71,9 % haben keine Arbeit

Arbeit ist das vielleicht wichtigste Instrument der Resozialisierung. Wer arbeitet, kommt von der Hütte, hat Kontakt, darf jeden Werktag duschen und der Verdienst bedeutet Einkauf und die Möglichkeit, die Familie zu unterstützen.

All das ist ohne Arbeit unmöglich. Wer im Knast wochen-, monate- oder gar jahrelang ohne Arbeit bleibt, wird nicht nur (noch) untauglich(er) für den Arbeitsmarkt, er ist auch außer Stande, während der Haftzeit Verantwortlichkeit zu üben und bleibt ohne die wichtigen sozialen Auseinandersetzungen und Lernprozesse am Arbeitsplatz.

Arbeitslosigkeit schlägt zweimal zu
Ohne Arbeit geht während der Haftzeit Selbstvertrauen verloren. Aber nach der Haft schlägt die Arbeitslosigkeit im Knast noch einmal zu: für die Arbeiter zahlt der Vollzug in die Sozialversicherung ein. Bei Arbeitslosigkeit nach der Haftzeit gibt es dann Arbeitslosengeld I. Auf die, die im Gefängnis keine Arbeit bekamen, wartet danach zwangsläufig ALG II und das Los eines Sozialfalles: Ursache auch dafür, dass sich „alte Bekannte“ auf der Ulmer Höh’ immer wieder die Klinke in die Hand geben!

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